katholische-kurven
„Hey – möchtest du darin baden oder dich damit eincremen?“ Andi deutet auf ein Verkaufsregal am Altöttinger Kapellplatz, das unter anderem auch Weihrauch-Badelotion und -Creme präsentiert. Nebenan wird in einer Schale eben dieser Weihrauch verbrannt und der ausströmende Duft des orientalischen Baumharzes gibt mir die eindeutige Antwort: NEIN – so möchte ich dann doch nicht riechen.
Aber der Altöttinger Kapellplatz hat einiges mehr zu bieten als Weihrauch: Seit mehr als 500 Jahren ist Altötting der bedeutendste Marienwallfahrtsort im deutschsprachigen Raum, wobei die „Schwarze Muttergottes“ in der Gnadenkapelle das Ziel aller Pilger und Wallfahrer ist – und selbstverständlich zählt auch Ex-Papst Bendedikt XVI zu dieser Gruppe.
Wir allerdings gehören weniger dazu, staunen jedoch trotzdem über die aus Dank für die Heilung oder Rettung aus höchster Not angebrachten mehr als 2.000 Votivtafeln im Umgang der Gnadenkapelle. Den „Büßergang“ mit einem der dafür bereitgestellten Holzkreuze lassen wir aber definitiv aus und widmen uns lieber unserem eigentlichen Vorhaben, dem Motorradfahren.
Dafür haben wir uns als gemütliche Tagestour den „Benediktweg“ als roten Faden ausgesucht – und der hat seinen offiziellen Start an der „Papstlinde“ unweit des Kapellplatzes. Bei erfreulich wenig Verkehr lenken wir unsere Bikes in Richtung Inn, um parallel dazu – vorbei an Peracher und Marktler Badesee – in den Geburtsort des ehemaligen Papstes zu kommen. Klar, dass diese Tatsache hier touristisch vermarktet wird, und so wundert es nicht, dass im Geburtshaus ein Papst-Benedikt-Museum eingerichtet ist und den Marktplatz eine Papst-Stele schmückt.
Im Zick-Zack-Kurs geht’s an Bauernhöfen, Kapellen, Kirchen und Marterln vorbei, der Waginger See bietet mit der Gebirgskette im Hintergrund ein klasse Panorama, und wir genießen einfach den Fahrspaß! So dauert’s nicht lang und wir erreichen ein nächstes Highlight – den Chiemsee. Dort genehmigen wir uns am bekannten Biker-Treffpunkt Kupferschmiede bzw. Roadhaus Chiemsee in Seebruck eine kleine Rast. Zahlreiche andere Biker tun es uns gleich und der Treffpunkt macht seinem Namen alle Ehre.
Frisch gestärkt geht’s an der Uferstraße entlang nach Gstadt, von wo aus sich per Boot ein Besuch der Fraueninsel anbietet. Die dortigen Gasthäuser locken mit prächtigen Biergärten und entsprechenden kulinarischen Angeboten, die wir allerdings ausschlagen. Wir genießen lieber die Fahrt mit unseren Bikes und den Blick auf das malerische Ensemble der Fraueninsel mit dem dominierenden Klostergebäude und den Chiemgauer Alpen im Hintergrund.